Urech Augeblick 1/2025

Kampagne Material und Nachhaltigkeit Wellnesgläser Selina Kiser, Mitarbeiterin von Urech Optik, entwickelte die Formen und Designs der neuen Kollektion. Pascal Nüesch, Brillenmacher von Noosh Optix in Chur, fertigte jede einzelne Fassung von Hand. «Mit dem Büffelhorn veredeln wir ein Abfallprodukt.» Selina Kiser Die Reise eines Werks Büffelhorn Klassebeschti. Jasmin Tschudy wurde bei der Lehrabschlussprüfung 2024 als Beste ausgezeichnet. Wanderfidlä. Julia Durrer stammt aus dem Engelbergertal. Sie wandert gern und «nidwaudneret», dass es eine Freude ist. Stallschatz. Simone Giger reitet, pflegt und liebt ihren Isländer namens «Smart». Schlägerschwinger. Dieter Urech schwingt. Zum Glück nur den Tennisschläger. Karaoke Queen. Wenn Laura Schürch am Team- Wochenende das Karaoke-Mik in die Finger bekommt, gibt sie es nur ungern wieder her. Gümmeler. Dave Urech kilometert die Welt auf seinem Velo. YOURECH – Die Modelle Die neue Horn-Kollektion von Urech Optik umfasst sechs Modelle. Ihre Namen sind mit einem Augenzwinkern gewählt – eine charmante Selbstreferenz der Mitarbeitenden. Das verwendete Büffelhorn bietet dabei nicht nur hochwertige Qualität, sondern auch Spielraum für kreative Wortspiele. Anprobieren statt nur anschauen Büffelhorn fühlt sich warm, natürlich und hochwertig an. Erleben Sie den Unterschied bei uns im Laden. Mehr Infos zu den Modellen finden Sie online. www.urech.ch/de/yourech Was ist der nächste Schritt im Werden der Fassung? Pascal: Ich fräse aus Pavatex Holzmodelle. Die setzt man auf und merkt, hier wäre etwas mehr Breite gut, dort ein etwas anderer Ansatz. Selina, hast du die Entwürfe den Kolleginnen und Kollegen bei Urech Optik gezeigt? Selina: Klar. Mit der Zustimmung des Teams steht und fällt eine Kollektion. Wir verkaufen nur Fassungen, an denen wir Freude haben. Aber bekommst du denn ein ehrliches Echo? Die meisten wollen doch nett sein … Selina: Ja, sicher. Bei uns darf man sagen, wenn man etwas nun nicht sooo cool findet. Ich bin ja auch am Lernen. Aber die Echos waren gut. Wer hat die Farben ausgewählt? Selina: Die Hornplatten haben Pascal und ich gemeinsam ausgelesen. Pascal hatte eine schöne Auswahl zur Verfügung, Abstufungen von Honigtönen über braun bis schwarz, manche mit weissen Strukturen darin. Jede YOURECH-Fassung gibt es in mehreren Farb-Varianten. Pascal: Wir haben auch gemeinsam besprochen, wie ich die Entwürfe im Detail ausführen soll: Wo runden wir ab, wo belassen wir eine Form eher kantig, welche Fassungen machen wir matt, welche polieren wir. Je nach Fassung ist die Wirkung eine völlig andere und auch der Hauttyp spielt eine Rolle. Und wie fertigt man eine Hornbrille? Pascal: Die Rohlinge fräse ich an einer umgebauten CNC-Fräsmaschine aus den Platten heraus. Das Schleifen und Biegen ist dann akribische Handarbeit. Bricht eine Fassung nicht, wenn man sie biegt? Pascal: Nicht, wenn man sie vorher erwärmt. Und nach dem Biegen schreckt man sie mit kaltem Wasser ab, dann erstarrt sie und die Form bleibt erhalten. Es braucht aber einiges Fingerspitzengefühl und viel Erfahrung. Wie lange arbeitest du an einer Fassung? Pascal: Wohl etwa sechs, sieben Stunden. Allerdings nicht am Stück. Man muss eine Fassung immer wieder weglegen und erst am nächsten Tag weitermachen, damit sich der Blick auf das ganze Design nicht in Details verliert. Am Schluss soll jede Fassung wirklich einzigartig sein. Selina: Also unsere sind es! Selina Kiser, Pascal Nüesch, habt ihr die Welt der Büffelhorn-Brillenfassungen neu erfunden? Pascal: Nein. Das kann man nicht und sollte man nicht. Ein Mensch, der eine Hornbrille trägt, der weiss, wo er im Leben steht. Fassungen aus Büffelhorn zeigen starke Präsenz, aber auch Zurückhaltung. Das bedingt eine gewisse Zeitlosigkeit im Design. Meist werden sie auch länger getragen. Ein Designer, der unbedingt auffallen will, sollte sich nicht an Büffelhorn wagen. Selina, wie gut kanntest du dich vorher aus mit Büffelhorn? Selina: Gar nicht. In der Lehre war es kein Thema, später arbeitete ich in England in einer OptikKette, wo es keine Fassungen aus Büffelhorn gab. Aber heute weiss ich, wie cool es ist, damit zu arbeiten. Büffelhorn ist ein körpereigenes Material, wie Nägel oder Haare, sehr hautverträglich und allergiefrei. Diese Natürlichkeit spürt man, wenn man eine Büffelhornbrille trägt. Und eigentlich veredeln wir mit dem Büffelhorn ja ein Abfallprodukt. Wie bist du beim Design vorgegangen? Selina: So wie Pascal jeweils vorgeht. Ich habe das Foto eines Gesichts genommen und eine Brille darauf gezeichnet, die zum Gesicht passen könnte. Eine gewisse Vorstellung der Form hatte ich natürlich vorher schon im Kopf. Die entwickelt sich, reift heran. Ich entdecke in unserem Laden, online oder in einem Heft ein stilistisches Merkmal, das passen könnte, und füge es dem ersten Entwurf bei. Ob es auch funktioniert, merkt man erst, wenn man die Zeichnung ausdruckt und auf die Nase setzt. Worauf kommt es an? Pascal: Die Proportionen sind entscheidend. Darum die Porträtfotos, als Hilfe für die ersten Zeichnungen. Dank des Fotos kann ich mich zum Beispiel an den Augenbrauen orientieren. Dann lege ich fest, wo ich den Steg positionieren will, wie hoch und breit er ist, wie er mit den Backenteilen korrespondieren soll. Platziert man den Steg sehr hoch oben, dann wirkt eine Nase länger. Schon kleinste Modifikationen im Bereich von Zehntelmillimetern können den Schwung einer Fassung verändern. Was macht man mit der ersten Zeichnung? Selina: Man druckt sie aus, schneidet die Fassung aus und setzt sie auf das Gesicht. Da zeigt sich dann, ob die Form zum Beispiel zu tief ist und auf den Backen aufsitzt. Ich habe Pascal meine Zeichnungen präsentiert und er hat da und dort kleine Veränderungen vorgeschlagen, bei der Positionierung der Scharniere vielleicht, oder bei der Breite der Backenteile. Da habe ich von seiner Erfahrung profitiert. Pascal, «Erfahrung» heisst bei dir was genau? Pascal: Ich fertige 220 bis 250 Exemplare pro Jahr, und das seit 16 Jahren. Dazu kommen noch Probeläufe und Versuche, vor allem aus den ersten Jahren. Wenn Selina dir ihre Entwürfe gebracht und von deiner Erfahrung profitiert hat, dann wurden ihre Fassungen zu deinen … Pascal: Nein, und darauf habe ich sehr geachtet. Ich war mir bewusst, dass ich meine eigene Noosh-Designwelt im Kopf habe und Selina eben eine andere. Es war eine Herausforderung, Selinas Designsprache zu respektieren und sie nicht zu vernooshen. Selina: Das ist wirklich gelungen. Die Entstehung einer Büffelhornbrille ist eine unwiederholbare, kreative Reise.Um diese Reise genauso unwiederholbar abzubilden, hat Fotograf Rob Lewis auf das alte Handwerk der Analogfotografie zurückgegriffen. Die Aufnahmen der Modelle Jasmina und Markus sind erfrischend undigital und echt. «Analoge Fotografie bietet dir keinen doppelten Boden», sagt Fotograf Rob Lewis. «Licht, Hair & Make-up müssen perfekt sein, weil du sie nicht später am Rechner korrigieren kannst.» Nur Handwerk führt zum Unikat, sei es beim Gestalten einer Fotografie oder einer Brillenfassung aus natürlichem Büffelhorn. Zum Handwerk gehören Erfahrung, Sorgfalt und ein untrügliches Verständnis für die richtige Optik. Fast so wichtig ist Geduld, bei der Vorbereitung des Shootings genauso wie in der Dunkelkammer, wo die Belichtung des Negativs ihren direkten Weg auf das Papier findet. Wer hier pressiert, hat schon verloren. Die optischen Prozesse wollen respektiert werden. In der Brillenmanufaktur ist es die Natur des Büffelhorns, die bestimmt, wieviel handwerkliche Zeit und Zuwendung eine Fassung benötigt, bis ihre Form vollendet ist. Wer diese Kunst des Werdens respektiert, erhält Werke von Echtheit und Tiefe – und vielleicht mit dem einen oder anderen verborgenen Detail, wie nur Natur und Handwerk sie hervorbringen können. Jede Büffehornbrille und jede Analogaufnahme erzählt die Geschichte einer kreativen Reise durch die faszinierende Welt der Optik. Die Reise ist nicht zu Ende, wenn ein Mensch das fertige Werk betrachtet und die Unwiederholbarkeit seiner Geschichte spürt, im Gegenteil. Die Reise geht weiter. Aber gemeinsam. Horn ist nicht gleich Horn. Schweizer Kuhhorn bietet nicht die nötige Festigkeit für Hornbrillen aufgrund der tieferen Luftfeuchtigkeit. Und beim Schweizer Bisonhorn sowie Büffelhorn – im Emmental und Jura werden etwa 2000 Wasserbüffel gehalten – wird der gut verwertbare Teil des Horns zu wenig dick für eine Brillenfassung. Anders ist es in Indien, wo viele Reisbauern ihre Felder traditionell mit Wasserbüffeln pflügen. Stirbt ein Tier, lässt es Hörner mit Spannweiten von zwei Metern oder mehr zurück. Die für eine Brille verwertbare Schicht ist bis zu zwei Zentimeter dick. Im Norden Indiens leben einige Dörfer davon, diese Hörner zu verwerten. Pascal Nüesch von Noosh Optix in Chur besuchte einen Monat lang verschiedene Betriebe in Indien. Seither importiert er seinen Werkstoff direkt von dort. So kann er seine Wünsche und Qualitätsvorstellungen unmittelbarer anbringen. Nüesch lässt sich kleine Platten der besten Qualität liefern. Es gibt sechs Farbtöne, wobei die Kategorisierung angesichts der fliessenden Übergänge nicht ganz einfach ist: «In diesem Punkt sind die Qualitätsvorstellungen von Schweizern und Indern etwas unterschiedlich, was jede Bestellung zu einem kleinen Abenteuer macht». Büffelhorn gibt es poliert oder mit matter, aufgerauter Oberfläche, wobei die matte Oberfläche beim ersten Auffrischen naturgemäss auch poliert wird. Geniesserinnen und Geniesser lassen ihre Fassung etwa alle eineinhalb Jahre einmal auffrischen. Sie erhält ein Ölbad, anschliessend wird die oberste Schicht abgetragen. Wie dünn sie ist, hängt davon ab, wie sehr die Brille beansprucht wurde. Je kalkhaltiger das Wasser ist, mit dem man die Brille im Alltag reinigt, desto eher entsteht eine helle Patina. An ihr kann man Freude haben – auch sie ist Natur – oder man kann sie beim Auffrischen abschleifen lassen. 23 Unikate aus sechs Designs – so präsentiert sich die YOURECH-Kollektion 2025 aus Büffelhorn. Selina Kiser von Urech Optik hat sie gestaltet, Pascal Nüesch von Noosh Optix in Chur hat sie von Hand gefertigt. Eigenkollektion Von der Idee bis zur Fassung

RkJQdWJsaXNoZXIy MzQxOTE=