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Horn ist leichter als

Kunststoff, sehr hautverträgl ich

und al lergiefrei .

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Reis wächst im Wasser. Weil die Felder mit Landmaschinen nur schwer zu

bestellen sind, pflügen die Reisbauern in weiten Teilen Indiens auf traditionelle

Art und Weise: mit Wasserbüffeln. Nicht selten gehören die Tiere so sehr

zur Familie wie in der Schweiz vor hundert Jahren die Zugochsen und Pferde.

In Nordindien leben einige Dörfer davon, Knochen und Hörner der Wasserbüffel

zu verwerten. Die Hörner können eine Spannweite von zwei Metern

oder mehr erreichen. Sie eignen sich hervorragend als Rohmaterial für Schmuck

und hochwertige Brillenfassungen. Zum Beispiel für jene Unikate, die der

gelernte Augenoptiker Pascal Nüesch in seiner kleinen Werkstatt in einem alten

Stall am Rand von Chur in akribischer Handarbeit anfertigt.

Por t rät Pasca l Nüesch – Noosh Opt ix

Pure Natur.

Pascal Nüesch, wie kommt ein Augenoptiker

dazu, selber Brillenfassungen herzustellen?

Vor etwa acht Jahren ging meine Brille ka­

putt. Es war eine Fassung von Oliver People,

die ich sehr mochte, aber es gab keine

Ersatzteile mehr. Darum wollte ich mir sel­

ber eine bauen. Während der Lehre hatte

ich im Ausbildungszentrum bereits einmal

eine Brillenfassung gemacht. Und somit war

die Idee geboren, eine eigene Brille herzustel­

len.

Aus Büffelhorn?

Nein, aus Kunststoff. Für meine eigene Brille

nahm ich dann aber das Horn des indischen

Wasserbüffels, weil davon auch Kleinmengen

lieferbar waren, im Gegensatz zu Kunststoff.

Und auch, weil Horn ein Naturprodukt ist.

Fassungen aus Büffelhorn sind Unikate, jede

sieht anders aus. Das war es ja auch, was ich

wollte. Etwas Einzigartiges.

Warum nahmen Sie kein Schweizer

Kuhhorn?

Erstens gibt es kaum mehr welche, zweitens

ist es eine Frage der Grösse und der Qualität.

Ich habe es einmal mit Schweizer Bisonhorn

versucht. Aber vom Aufbau her ist es nicht

vergleichbar. Ausserdem wird beim Büffel

der gut verwertbare Teil an der Nähe des

Kopfes bis zu 2 cm dick, beim Bison waren es

nur 3 bis 4 mm, das ist extrem knapp, um

eine Brille herzustellen.

Von welchem Importeur beziehen Sie

die Hörner?

Weil es mich wunder nahm, wo mein Mate­

rial herkommt, war ich selber einen Monat

lang in Indien und habe Betriebe besucht.

Darum kann ich selber direkt aus Indien

importieren. «Mein» Hersteller dort schickt

mir aber nicht ganze Hörner, sondern Platten

von 160 mm × 60 mm × 5 bis 7mm.

Bestellen Sie nach Farbe oder Qualität?

Die beste Qualität nach Farben. Die Her­

steller stufen die Hornplatten ein in sechs

Farbtöne von ganz hell bis schwarz. So ein

Naturprodukt zu kategorisieren ist aller­

dings nicht ganz einfach, die farblichen

Übergänge sind fliessend. In diesem Punkt

sind die Qualitätsvorstellungen von Schwei­

zern und Indern auch etwas unterschiedlich,

was jede Bestellung zu einem kleinen Aben­

teuer macht (lacht).

Was zeichnet das Horn aus?

Es ist leichter als Kunststoff, sehr hautver­

träglich und allergiefrei. Man verarbeitet es

mit denselben Werkzeugen wie Kunststoffe.

Also mit Fräsern, Feilen und Schleifpapier.

Wenn man eine Fassung wärmt, kann man

sie in die gewünschte Form biegen und dann

mit kaltem Wasser abschrecken, sodass die

Form erstarrt und erhalten bleibt. Die ersten

Brillenfassungen aus Kunststoff waren ei­

gentlich ein Versuch, Horn zu imitieren.

Wenn jemand eine handgefertigte Brille

von Ihnen möchte, was muss er tun?

Sich bei Urech Optik beraten lassen. Meine

Kollektion umfasst momentan fünfzehn

Modelle. Wenn jemand ein massproduziertes

Unikat wünscht, macht Urech Optik ein ex­

aktes Porträtfoto des Kunden und schickt es

mir. Mit Hilfe von Photoshop und Illustrator

setze ich auf dem Porträt meine Entwürfe ein.

Diese Fassungen skizzieren Sie

aber doch vor?

Ja, und das kann durchaus auf einem Stück

Papier während einer Bahnfahrt geschehen.

Daheim scanne ich diesen Entwurf, zeichne

ihn auf dem Bildschirm sauber nach und

gestalte dann die Details der Form. Schon

kleine Veränderungen im Zehntelsmillimeter­

bereich können den Schwung einer Fassung

bemerkenswert verändern.

Und wie stellen Sie die Fassung dann her?

Angefangen habe ich mit einer Laubsäge.

Inzwischen fräse ich die Rohlinge an einer

umgebauten CNC-Fräsmaschine aus den

Platten. Das Schleifen und Biegen besteht

dann aus akribischer Handarbeit.

Was, wenn dem Kunden bei Urech Optik

Ihr Entwurf nicht gefällt?

Ich schicke dem Kunden drei, vier Entwürfe

als pdf-File, allenfalls nach einem ersten

Durchgang noch eine oder zwei. Eine davon

gefällt dem Kunden eigentlich immer. Als

Einmann-Manufaktur kann ich schnell und

unkompliziert auf individuelle Wünsche von

Kunden eingehen.

Wie viele Fassungen stellen Sie jedes Jahr her?

2011 werden es wohl etwa 200 sein. Letztes

Jahr waren es gegen 120. An einer einzelnen

Fassung arbeite ich, grob geschätzt, sechs bis

sieben Stunden. Allerdings nicht am Stück.

Man muss eine Fassung immer wieder wegle­

gen und am nächsten Tag weitermachen, da­

mit sich der Blick auf das ganze Design nicht

in Details verliert. Am Schluss soll jede Fas­

sung wirklich einzigartig sein.

Noosh Optix, Chur

info@noosh-optix.ch www.noosh-optix.ch www.facebook.com/nooshoptix

Das Schleifen und

Biegen besteht aus

akribischer Handarbeit.

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